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SCHACH-SPHINX/01745: Keine Regel gilt ewig (SB)


Jedem Schachnovizen wird es eingeschärft: Vergiß die Rochade nicht! Und zur Untermauerung dieses goldenen Lehrsatzes werden ihm in der Anfängerfibel deutliche Beweise dafür vor die Augen gelegt, was passieren kann, wenn man den eigenen König, aufs ruchloseste vernachlässigend, unrochiert läßt. Da folgt ein Sturmangriff über die Flanke oder ein Durchbruch in der Mitte, und jäh zappelt der König im Zangengriff der gegnerischen Figuren. Stutzig wird der Schachjünger allerdings, wenn er in späteren Jahren Partien findet, wohlgemerkt Großmeisterpartien, wo der Sieger keinen Gedanken an die Sicherheit seines Königs verschwendete und dennoch gewann. Es kommt auf die besondere Situation, auf die launischen Umstände an, berichtigt ihm da das weise Schachorakel. Zuweilen, wie im heutigen Rätsel der Sphinx, ist die Rochade aus anderen, also guten Gründen aufzuschieben. Großmeister prägen die Theorie, sie sind aber nicht ihre Sklaven, und was für einen Anfänger gilt, das wird auf höherer Ebene durchaus kontrovers behandelt. Der tschechische Meister Ftacnik verzichtete in seiner Partie gegen den Ungarn Adorjan auf dem Turnier in Banja-Luka 1983 ganz auf die Rochade und gewann, wenn auch mit Hilfe seines Gegners, der im Stellungsdiagramm nunmehr fehlerhaft 1...h7-h5? zog und nach 2.Th2-d2! aufgeben mußte. Bedauerlich, denn er besaß einen weitaus stärkeren Zug, der zum Remis ausgereicht hätte, Wanderer.



SCHACH-SPHINX/01745: Keine Regel gilt ewig (SB)

Ftacnik - Adorjan
Banja-Luka 1983

Auflösung des letzten Sphinx-Rätsels:
Die Widerlegung des stürmischen schwarzen Angriffs war ohne Zweifel nicht leicht zu finden. Chandler besaß freilich genügend Erfindungswitz, um 1.Tc1-c8+! aufs Brett zu zaubern. Einmal gefunden, war alles klar: 1...Kb8xc8 2.Lf3-g4+ - unterbricht die Turmlinie - 2...Kc8-d8 3.Db4-a5+ und der weiße Angriff dringt durch. Szeles indes wählte das schwächere 1...Tg8xc8 und gab nach 2.Db4xe7 sofort auf.


Erstveröffentlichung am 21. Mai 1998

17. April 2009