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SCHACH-SPHINX/01795: Keine Kunst ohne Mäzene (SB)


Viele Künstlerseelen wären wohl den Weg in die Vergessenheit gegangen, wenn ihnen nicht freigebige Mäzene mit finanzieller Gunst unter die Arme gegriffen hätten. Kunst auf dem harten Boden des Broterwerbs ist eine Pflanze, die selten gedeiht. Uneigennützig waren die Geldzuwendungen nie. So hatte sich der römische Adlige Maecenas, nach dem das Wort Mäzen gebildet wurde, mit seiner Großzügigkeit gegenüber den Dichtern Horaz und Vergil auch deren Besuche in seinem Salon erkauft. So lauschte sein Ohr gern und als erster wohl den neuesten Ergüssen dieser beiden Dichterköpfe. Nebenbei war er der Verlegenheit enthoben, selbst lesen zu müssen. Auch Schachmeister verdankten nicht selten die Entfaltung ihrer Schaffenskraft dem wohlwollenden Portemonnaie eines Gönners, beispielsweise der polnische Meister David Janowski, der freilich die Ungeheuerlichkeit besaß, seine Geldquelle durch rüpelhaftes Benehmen für immer zu verschließen. Wer keinen solchen Geldfreund zur Seite hatte, mußte mit dem wenigen auskommen, was er durch Siegesprämien auf Turnieren erwarb, oder aber er fuhr doppelgleisig und ging einem bürgerlichen Beruf nach. Nicolas Rossolimo zum Beispiel mußte sich seinen Lebensunterhalt auf vielerlei Arten verdienen. So arbeitete er eine Zeitlang in Frankreich als Hausmeister, ehe er nach Amerika übersiedelte und sich als Harmonikaspieler und Judokämpfer durchschlug oder Schallplatten mit russischen Volksliedern besang. War die Miete bezahlt und der Kühlschrank mit dem Nötigsten versehen, dann eilte er zu den Schachturnieren. Trotz dieser Doppelbelastung wurde er 1995 Champion der USA. Im heutigen Rätsel der Sphinx aus dem Meisterturnier zu Bilbao 1951 bestrafte er seinen Kontrahenten Prins für die Leichtsinnigkeit, ein Läuferopfer angenommen zu haben. Rossolimo, mit den weißen Steinen spielend, ersann nun eine reizende Siegeskombination, die mit einem raffinierten Zwischenzug eingeleitet wurde, Wanderer.



SCHACH-SPHINX/01795: Keine Kunst ohne Mäzene (SB)

Rossolimo - Prins
Bilbao 1951

Auflösung des letzten Sphinx-Rätsels:
Mit 1.De7-d6! verschärfte unser Fernschachfreund Sporisch das Dilemma des schwarzen Königs. Dieser suchte mit 1...Kc4-b5 dem Einkesselungs- Matt zu entgehen, mußte jedoch nach 2.Te3-b3+ Kb5-c4 3.Tb3-b1 Th8-d8 4.Ke2-e3+ Kc4-c3 5.Lf1-d3 erkennen, daß gegen das Eingreifen des weißen Königsturms nichts mehr zu erfinden war.


Erstveröffentlichung am 15. Juni 1998

04. Mai 2009